Umbau der H4 Scheinwerfer auf die gekapselte Version ab 1981

Scheinwerferumbau Düdo

Wie bereits im Beitrag zur Relaisschaltung für das Fahrlicht angesprochen, waren bei unserem #Düdo die Lampentöpfe zerfressen, was der TÜV (also eigentlich die österreichische Werkstatt zur Pickerlüberprüfung ;o) auch bemängelt hatte. Diese Lampentöpfe wurden bei den Vorgängermodellen von Hanomag, diese Firma wurde damals von Mercedes gekauft, und den #Düdos vor Baujahr 1981 verbaut. Sie sind Bestandteil des Kotflügels und bilden quasi das hintere Scheinwerfer-Gehäuse.

 

Rostfraß rund um die Lichter

Originallampentopf

 

Rostschutz war seinerzeit, also vor mehr als 40 Jahren, nicht sooo der zwingende Fokus beim Bau der #Düdos. Deshalb ist es oft so, dass diese Lampentöpfe (unter anderem) von Gevatter Rost heim gesucht werden. Das führt dann durch die eindringende Nässe auch über die Zeit zu blinden Scheinwerfern und in Folge auch zu Rostbefall des Scheinwerfer-Frontbleches. So eben auch an unserer Dicken Berta.
Da diese Original-Scheinwerfer kaum noch neu zu bekommen sind, und wenn, dann für ~200€ das Stück, musste eine günstigere Lösung her, und wenn möglich eine, mit besserer technischen Eigenschaften. Originale Restauration wäre eine recht teure Angelegenheit, als auch ein hoher Arbeitsaufwand.

Irgendwo bin ich dann über den Tipp gestolpert, die Scheinwerfer der Serie nach dem 1981er MOPF würden auch passen, wenn man ein bisschen bastelt. Diese sind in einem Kunststoffgehäuse vollgekapselt und für das Stück um die 30 Euro nach wie vor erhältlich. Der Arbeitsaufwand ist wesentlich geringer, da der Lampentopf erst gar nicht saniert werden muss, Formbleche sind sowieso nicht mehr zu bekommen, wie viele andere Teile auch nicht. Wie ich das dann realisiert habe, beschreibe ich jetzt.

Als erstes natürlich die alten Scheinwerfer ausbauen, ist einfach. Erst die beiden Schrauben der Chromabdeckung heraus schrauben, dann die jeweils 4 der Scheinwerfer-Befestigung. Dann wird die Misere (also die Oxidation der alten Lampentöpfe) in vollem Umfang sichtbar.
Jetzt braucht es Überwindung…die Flex kommt zum Einsatz. Der #Düdo hat in diesem Bereich oberhalb einen Wulst. Unterhalb dieses Wulstes habe ich 2 cm Blech stehen gelassen, ebenso unten, rechts, als auch links. Der Rest wurde heraus getrennt.
Jetzt gibt es, je nach Zugriff auf ein Schweißgerät, oder eben nicht, 2 Möglichkeiten. Entweder man nimmt eine Absetzzange und setzt die Ränder ringsrum ab und setzt die Löcher für die Punktschweißung, oder man hat kein Schweißgerät, wie ich und muss das dann mit Blindnieten realisieren. Jetzt nimmt man sich einen festen Karton und schneidet sich daraus eine Schablone für das her zu stellende Formblech. Entweder so, dass es in den abgesetzten Bereich passt, oder eben so, dass es sich nachher gut verspachteln lässt.
Nach dieser Schablone, eine für jede Seite, zeichnet man sich sein Blech an und schneidet das mit Blechschere, oder wie ich, mit der Flex aus. Ich würde zu einem 1,5mm Blech raten, da man den Scheinwerfer-Ausschnitt auch noch machen muss und da eben nicht sonderlich viel von dem Blech übrig bleiben wird, das könnte sonst zu “wabbelig” werden. Wenn man schweißt, macht man mit der Absetz-Zange rundherum die Löcher für die Punktschweißung, in meinem Falle die 4mm Löcher für die späteren Nieten, ich habe so alle 7-8 cm eine gesetzt.

Ausschnitt Licht

Nun kommt der Ausschnitt der Scheinwerfer dran. Da die neuen Scheinwerfer für eine andere Frontmaske vorgesehen sind, kann man die Dinger nicht von vorne einsetzen, will man die alten Front- und die Chromringe behalten. Ansonsten muss man die Front auf das Design des 1981er MOPF (Modellpflege) umbauen. Ich wollte die schönen Chromringe aber eben behalten.
Ergo macht man den Ausschnitt so, dass das Scheinwerfer-Glas mit wirklich sehr wenig Luft durch den Ausschnitt passt. Ich habe das in alle Richtungen mittig der Schablone gemacht. Ist der Ausschnitt zu groß, deckt der Chromring nachher die Öffnung nicht ab, ist wirklich eine knappe Angelegenheit. Also erst mit der Schablone austesten, ich habe gut 4 Schablonen versemmelt…

Neuer Ausschnitt für neuen Lampentopf

Frontansicht Lichter in Arbeit

Passt die Schablone, überträgt man diese aufs Blech und schneidet die Ausschnitte aus. Da die Klammern für die Glasbefestigung anschließen auf dem Blech aufliegen würden, habe ich die auch ausgespart, hier auch knapp arbeiten. Die Schablonen und die Bleche markieren, die sind nicht wirklich identisch. Die neuen Scheinwerfer haben ebenfalls 4 Befestigungslöcher. Ich habe diese auf 8,5mm aufgebohrt, da ich 8er Edelstahlschrauben noch zu liegen hatte. M6er würden wohl auch reichen, dann mit 6,5mm aufbohren.
Nun das Blech passend auf die Scheinwerfer platzieren und die 4 Löcher der Scheinwerfer auf das Blech übertragen und ebenfalls mit 6,5/8,5 bohren. Damit man die Schraubenköpfe von außen nachher nicht sieht, habe ich Senkkopf-Schrauben verwendet und die Bleche von der Vorderseite her soweit auf gesenkt, dass die Köpfe der Schrauben grade so rein passen. Die Schrauben habe ich dann mit Loctite Schraubensicherung rot im Blech “fest geklebt”, das hält gut. Allerdings erst beim späteren Einbau der Scheinwerfer, wenn das Blech bereits am Auto montiert ist.
Falls sich jetzt jemand fragt, wieso ich keine Gewinde in die Scheinwerfer-Bohrungen geschnitten habe, um die Scheinwerfer nachher von vorne einfach verschrauben zu können, man würde 2 der Schraubenköpfe dann von vorne sehen können, da der Chromring die nicht ganz abdecken würde. Verspachteln geht dann ja schlecht, da man da eventuell irgend wann mal wieder ran muss, wem das egal ist, kann da natürlich Gewinde rein schneiden, Für M6 wäre die Bohrung dann 5mm, für M8 6,4. Wer das ganz super machen will, kann sich da Gewindeeinsätze von beispielsweise Helicoil einsetzen, dann würde das noch besser halten, als im reinen Plastik. Aber die Dinger sind nicht so ganz billig und Durchgangs-Löcher tun es auch, ist eben bissel doof zu montieren, da man unters Auto krabbeln muss dafür.
Für die Befestigung der Scheinwerfer habe ich noch ~4mm Abstandshalter zwischen Blech und Scheinwerfer gebaut, weil die Halteklammern trotz aussparen trotzdem noch aufliegen am Blech, das wollte ich nicht.
Passt das alles, kann man die Bleche dann einschweißen per Punktverschweißung durch die gesetzten Löcher. Ist das fertig, sollte das verzinnt werden. Fällt in meinem Falle flach. 2 der Bohrungen für die Nieten habe ich diagonal auf das Fahrzeug übertragen und gebohrt, dann das Blech damit angenietet und die anderen Löcher gesetzt. So bleibt das Blech da, wo es hin gehört. Die beiden Nieten dann wieder raus gebohrt. Dann habe ich die Bleche mit dem 3-in-1 Lack lackiert. Der verwendete Lack hat eine lange Aushärtungszeit, ergo habe ich das 3 Tage liegen lassen. Mit Karosseriekleber wird das Blech dann eingebaut und vernietet mit 4er Blindnieten. Die Nietenköpfe kann man entweder wieder abschleifen, wenn der Kleber durch gehärtet ist, oder dran lassen und verspachteln. Ebenso die zu sehenden Schraubenköpfe. Bevor man die Scheinwerfer montiert, muss man noch die Rostschutzbehandlung von innen her realisieren. Das ist eventuell ein guter Zeitpunkt, den Rostschutz der Kotflügel zu erneuern.

Die Scheinwerfer haben diagonal hinten je 2 Einstellschrauben für den Lichtkegel, der Einstellbereich reicht völlig aus, um die Montage einzustellen.

Abschließend dann den Chromring mit 4,2er Edelstahl-Blechtreibschrauben ins Lampengehäuse verschrauben, aufpassen, dass der den Ausschnitt komplett verdeckt. Ich hab die Löcher dazu mit 3,5mm vorgebohrt. Durchs Blech durch mit 5mm.
Nihanna möchte dazu auch noch etwas beitragen, sie “durfte” spachteln:

Vielen Dank! Eigentlich sollte mein Beitrag zwischen, “die Nieten wurden rausgebohrt” und “dann wurde alles gestrichen” stehen. So war es nämlich NICHT. Mitnichten! Zwischen “das Blech bleibt jetzt da wo es bleiben soll” und “endlich ist der Lack trocken, wir können die neuen Lampen einbauen” fehlt nämlich ein entscheidender Schritt, eigentlich viele kleine, nervige, besch…. eidene Schritte , um die Lampentöpfe in die Biegung der Karosserie zu bekommen, oder besser gesagt, die Biegung der Karosserie so hinzubekommen, dass die Lampentöpfe überall gleichmäßig anliegen. Jawohl, das Spachteln…..

Spachteln ist eine nervige Arbeit, da man ab dem Zeitpunkt des Anrührens der Spachtelmasse je nach Außentemperatur gerade mal ein paar Minuten Zeit hat diese zu verarbeiten. Wir sprechen von 2K Spachtel, dem man immer einen Härter hinzufügen muss (Faustregel ein Golfball Spachtelmasse und eine Erbsengröße Härter). Spachtelmassen gibt es verschiedene. Wir haben vor allem mit dem grünen Glasfaserspachtel gearbeitet, mit diesem auch Fließ angespachtelt ,dann mit dem weißen Feinspachtel sozusagen als Finish. Zwischendurch haben wir uns auch an dem Epoxidharzspachtel versucht, den würde ich aber nach gemachter Erfahrung nur mehr bei liegenden, also horizontal ausgerichteten, Teilen verwenden. Im Ernst, in der Senkrechten rinnt euch der weg….

Wenn man noch keine wirkliche Erfahrung mit dem Spachteln von Autoteilen mitbringt (so wie ich), dann muss man sich auf das altbewährte “learning by doing” einstellen. Zuerst lernt man, dass man sehr wenig Zeit hat. 3, 4 höchstens 5 Minuten. Alles was du bis dahin nicht verbraucht hast, kannst du wegschmeißen. Also lieber öfter kleinere Mengen anrühren. Als Zweites lernt man, je mehr Spachtel man aufträgt, desto mehr Spachtel muss man danach wieder runter schleifen. Teilweise hab ich versucht, die Ecken abzukleben, wo ich nicht wollte, dass Spachtel drankommt, zufriedenstellend war das Ergebnis dann aber auch nicht unbedingt. Und im Grunde genommen ist das auch schon die ganze Arbeit. Spachtel anrühren, Spachtel drauf klatschen (impliziert das aufbringen und dann mit einem Plastikspachtel so gut es geht wieder abziehen, so dass es schon mal eine Form bekommt), Spachtel richtig aushärten lassen, und Spachtel der zuviel drauf ist wieder abschleifen. Und in diesem speziellen Fall mit den Lampentöpfen, war das ein nicht enden wollendes, “spachteln und anpassen und abschleifen und wieder spachteln” Theater. Vor allem deshalb, weil ich selbst da nicht so ein Perfektionist bin, und für mich die Spachtelei bald einmal “schön genug” ist. Jedenfalls hat es am Ende Gott sei Dank irgendwann mal gepasst, sodass das Konstrukt gestrichen werden konnte.

Ausschnitte für die Scheinwerfer rundherum abgeschliffen und mit Grundierung zum Schutz vor weiterem Rost angestrichen

Ausschnitt verspachtelt

Andere Seite verspachtelt

Forderfront mit neuen Lichtern und neuer Farbe

Eine weitere Verbesserung betrifft die Lichtausbeute insgesamt. Die ist beim Düdo ja in etwa so, als würde man Kerzen in den Scheinwerfern haben. Wie man das realisiert, habe ich in Relaisschaltung für das Fahrlicht beschrieben.

Bezugsquellen

Ich habe das Blech vom Flaschner um die Ecke besorgt, kann man aber auch bestellen. Da kommt aber recht viel Versand dazu, also besser vor Ort schauen.

Die Scheinwerfer selbst sind vom Hersteller Abakus. Gibt es auch für rund das Doppelte von Hella. Die hier sind vom shop autodoc.